Wer im Sommer schon einmal durch einen japanischen Supermarkt gegangen ist, hat sie wahrscheinlich gesehen: eine runde Netzmelone mit warm bernsteinfarbener Schale. Sie liegt unauffällig im Regal und ist günstig im Preis. Das ist die クインシーメロン, die Quincy-Melone.
Was ist die Quincy-Melone eigentlich genau? Es ist eine rotfleischige Melonensorte, die in Japan gezüchtet und angebaut wird. Sie ist saftig, mild süß und für eine japanische Melone überraschend erschwinglich. Wer sie einmal probiert hat, versteht, warum sie im ganzen Land treue Fans hat.
Was ist die Quincy-Melone?
Die Quincy-Melone ist eine japanische Melonensorte mit leuchtend orangefarbenem Fruchtfleisch. Sie gehört zu den Zuckermelonen und wird botanisch als Cucumis melo eingeordnet. Die Schale zeigt ein feines, spitzenartiges Netzmuster in Beige- und Dunkelgrüntönen. Innen ist das Fruchtfleisch dicht, glatt und kräftig gefärbt.
Der Name „Quincy“ soll sich aus den zwei Wörtern „queen“ (Königin) und „healthy“ (gesund) zusammensetzen. Diese Kombination wirkt gewollt: Es ist eine Melone, die sowohl schön als auch nahrhaft sein soll. Und sie hält beides.
Eine Frage, die oft gestellt wird: Ist sie dasselbe wie eine Cantaloupe? Nicht ganz. Der Geschmack ist milder und feiner. Man kann sie sich als eine Cantaloupe vorstellen, bei der die rauen Kanten geglättet wurden.
Die Geschichte der Quincy-Melone

Die Geschichte beginnt in den späten 1980er-Jahren. Damals gab es in Japan bereits 赤肉メロン (rotfleischige Melonen), doch sie hatten ein Problem: Viele von ihnen hatten einen starken, ungewöhnlichen Geruch. Die Verbraucher empfanden ihn als abstoßend.
Die Firma Yokohama Ueki Co. wollte das ändern. Im Jahr 1988 entwickelte sie die Quincy-Melone durch sorgfältige Kreuzungen. Am Anfang standen die Sorten Bolero und Earl’s Summer No. Diese wurden weiter mit Super Tachib und einer Sorte namens Fukamidori gekreuzt. Das Ergebnis war eine rotfleischige Melone mit mildem, angenehmem Aroma und süßem Fruchtfleisch.
1989 kam die Quincy-Melone auf den Markt. Sie war eine der ersten rotfleischigen Melonen in Japan, die einladend statt stechend roch. Das war ein Wendepunkt. Die Verbraucher nahmen sie schnell an. Anfang der 1990er-Jahre hatte sie sich im ganzen Land als bekannte saisonale Frucht Japans etabliert.
Heute wird die Quincy-Melone hauptsächlich in drei Präfekturen angebaut: Ibaraki, Kumamoto und Yamagata. Davon ist die Präfektur Ibaraki besonders für den Melonenanbau bekannt. Sie soll Japans größte Melonenanbauregion sein und erntet jährlich etwa 40.000 Tonnen. Die Quincy ist für dieses Image zentral. Die Seite über die Ibaraki-Melone behandelt dieses regionale Erbe ausführlicher.
Wie schmeckt die Quincy-Melone?
Das ist die Frage, auf die die meisten Japan-Besucher eine Antwort wollen.
Der Geschmack ist süß und klar. Er ist nicht überwältigend. Darunter liegt eine sanfte Blumennote, eher wie ein zarter Duft als wie ein starkes Parfüm. Das Fruchtfleisch ist dick und saftig und hat eine glatte Textur, die leicht zergeht.
Der Zuckergehalt ist hoch. Hochwertige Quincy-Melonen können einen Brix-Wert von etwa 15 erreichen, was sie zu echten Melonen mit hohem Zuckergehalt macht. Auf manchen Etiketten in japanischen Supermärkten steht der Zuckergehalt in Prozent direkt auf der Verpackung. Diese Transparenz trägt dazu bei, dass der Obstkauf hier ein ganz anderes Erlebnis ist.
Im Vergleich zur ultraluxuriösen Yubari-Melone aus Hokkaido ist die Quincy dezenter. Sie überfällt einen nicht mit einem intensiven Duft. Stattdessen gewinnt sie einen langsam für sich. Manche Menschen bevorzugen sie gerade deshalb. Sie wirkt zugänglich.
Gekühlt und aufgeschnitten an einem heißen Sommernachmittag ist sie eines dieser Lebensmittel, die einfach passen. Schlicht, ehrlich und still hervorragend.
Warum ist die Quincy-Melone in Japan so beliebt?

Mehrere Gründe erklären, warum die Quincy-Melone in Japan beliebt ist.
Erstens der Preis. Die meisten hochwertigen japanischen Melonen sind teuer. Eine Zuckermelone in Geschenkqualität kann leicht 5.000 Yen oder mehr kosten. Die Quincy-Melone gehört dagegen zu den günstigeren Sorten. In der Saison findet man sie oft für etwa 800 bis 1.500 Yen im normalen Supermarkt. Das ist ein echtes Preis-Leistungs-Verhältnis für eine süße und saftige Melone dieser Qualität.
Zweitens die Nährstoffe. Die tiefe Orangefärbung des Fruchtfleischs stammt von Beta-Carotin. Das ist derselbe antioxidative Farbstoff, der auch in Karotten steckt. Der Körper wandelt ihn in Vitamin A um. Die Quincy-Melone ist außerdem reich an den Vitaminen C, E und K sowie an Kalium und Ballaststoffen. Sie ist eine zuckerreiche Melone, die zugleich wirklich gut für den Körper ist.
Drittens die Lagerung. Anders als manche empfindlichen Luxusmelonen hält sich die Quincy nach der Ernte gut. Ihr festes Fruchtfleisch erlaubt einen längeren Verkauf und sogar den Export. Dieser praktische Vorteil trug zu ihrem kommerziellen Erfolg bei.
Schließlich gibt es den optischen Reiz. Japans Fruchtkultur legt großen Wert auf das Aussehen. Das feine Netzmuster und der satte Bernsteinton der Quincy sehen in einer Obstschale schön aus. Und aufgeschnitten fällt das leuchtend orangefarbene Fruchtfleisch ins Auge.
Wann hat die Quincy-Melone Saison?

Bei japanischem Obst kommt es auf den Zeitpunkt an. Wann also hat die Quincy-Melone Saison?
Die Hauptsaison reicht vom späten Frühling bis in den Sommer, wobei der Juni der beste Monat ist. Je nach Erntezeitpunkt findet man auch Spring-Quincy- und Summer-Quincy-Sorten mit unterschiedlicher Kennzeichnung. Manche Erzeuger nutzen Gewächshäuser, um die Verfügbarkeit auf andere Monate auszudehnen. Wer aber den besten Geschmack zum besten Preis möchte, besucht Japans Supermärkte im Juni oder Juli.
In der Hauptsaison taucht die Quincy überall auf. Cafés kreieren limitierte Melonenparfaits. Dessertläden verwenden sie für Mousses und Schnee-Eis. Lokale Erzeuger in Ibaraki haben Kreationen mit Quincy bei regionalen Dessertwettbewerben eingereicht und gewonnen.
Wo kann man Quincy-Melonen in Japan kaufen?

Wo man Quincy-Melonen in Japan kaufen kann, hängt davon ab, was man sucht.
Für den Alltag führt im Sommer jede größere Supermarktkette sie. Achten Sie auf den Zuckergehalt, der auf der Verpackung angegeben ist; ein höherer Prozentwert bedeutet süßeres Obst. In den Lebensmittelabteilungen im Untergeschoss der Kaufhäuser (Depachika) gibt es oft hochwertige Varianten in schöner Verpackung.
Wer eine Quincy als Geschenk kaufen möchte, ist in einem Obstfachgeschäft besser aufgehoben. Dort wird sie richtig verpackt und eingewickelt, was in der japanischen Geschenkkultur wichtig ist. Melonen sind ein klassisches Ochugen-Geschenk (Geschenk zur Jahresmitte).
Besucher der Präfektur Ibaraki finden Quincy-Melonen zur Erntezeit auch an Hofständen und auf lokalen Märkten. Manche Betriebe bieten Selbstpflücken an. Näher an der Quelle kann man kaum sein.
Außerhalb Japans wird die Quincy-Melone gelegentlich als importierte Spezialität verkauft, etwa in Singapur. Der Preis ist wegen der Versand- und Handhabungskosten deutlich höher. Wer außerhalb Japans lebt und neugierig ist, für den kann es sich lohnen, sie zu suchen, nur um zu verstehen, worum es das ganze Aufheben gibt.
Die Quincy-Melone heute

Die Quincy hat sich fest in Japans Obstlandschaft eingefügt. Sie ist nicht die auffälligste Melone im Regal. Sie wird nicht für Millionen Yen versteigert. Aber sie hat einen festen, geachteten Platz auf dem alltäglichen Obstmarkt. Das ist wohl schwieriger zu erreichen.
Unter dem Namen Quincy entstehen weiterhin neue saisonale Sorten. Die Erzeuger verfeinern ihre Anbautechniken, um den Zuckergehalt weiter zu steigern und die Haltbarkeit zu verbessern. Die Melone, die als Lösung für ein Geruchsproblem begann, hat sich zu einer echten Ikone der japanischen Premium-Melonenkultur entwickelt.
Wer Japanisches Essen nach Kategorien zum ersten Mal erkundet, für den ist Obst ein guter Einstieg. Die Quincy-Melone ist zugänglich, köstlich und eng mit dem Rhythmus der japanischen Jahreszeiten verbunden. Probieren Sie sie gekühlt und pur und lassen Sie sie für sich sprechen.
Quellen
- Specialty Produce – Informationen und Fakten zu Quincy-Melonen: https://specialtyproduce.com/produce/Quincy_Melons_22644.php
- MomoBud – Japanische rote Quincy-Melone: https://momobud.sg/product/japanese-quincy-red-melon/
- Live Japan – Warum japanische Melonen in Japan zum Pflichtprogramm beim Obst gehören: https://livejapan.com/en/article-a0004880/

コメント